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Auf der Suche nach der Nordwestpassage

Hunderte Männer haben ihr Leben auf der Suche nach der Nordwestpassage verloren. Sie erlagen den fürchterlichen Stürmen, Hunger und bitterer Kälte, während sie in den eisigen  Gewässern umher irrten. Sie starben ohne genau zu wissen, ob überhaupt eine Passage zwischen dem Atlantik und dem Ozean besteht.

Über viele Jahrhunderte galt das Auffinden dieser Passage als große Herausforderung für wohlhabende Gönner, und die Matrosen akzeptierten diese mit dem möglichen Todesurteil, welche die Arktis für sie bereit hielt. Die Aussicht, die Passage als erste zu finden um mit Ruhm und Reichtum überschüttet zu werden, war Ihnen dafür Grund genug. Die arktische Route zwischen Europa und Asien würde eine Abkürzung von tausenden Seemeilen bedeuten und somit die normalen Handelsroute extrem verkürzen. Des weiteren würde sich der mysteriöse weiße Fleck der Arktis auf der Karte der Welt mit Farbe füllen. Die Briten waren auserkoren als ersten diese mystische Route zu finden.

Die neue Handelsroute über den nördlichen Teil von Amerika würde den Europäern schnelleren Zugang zu den Gewürz- und Seidenmärkten in China und Asien ermöglichen. Beziehungsweise die lange und gefährliche Reise ums Kap Horn nach Afrika ersparen

Der erste Versuch die Passage zu finden ist im Jahre 1497 erwähnt, als König Henry VII den italienischen Navigator Giovanni Caboto (rechts) mit der Mission, eine direkte Route in den Orient zu finden, beauftragte. Er kam nicht weiter als das heutige Neufundland und startete die lange Tradition des Scheiterns, jedoch half er wie viele andere nach ihm diese Region zu kartographieren, indem er Inseln und Kanäle auf die noch weiße Karte der Arktis einzeichnete. Martin Forbisher oblag es, sich als nächster der Arktis anzunehmen. Er startete die erste von drei Expeditionen 1576: „Es ist das Einzige, was noch nicht getan ist und einen bemerkenswerten Geist berühmt und anerkannt werden lässt.“ Und tatsächlich, sein Name ist bis heute in der Frobisher Bucht auf der Baffin Island verewigt. Jedoch war er fälschlicherweise von dieser Wasserstrasse, als der Weg zu Reichtum an den Küsten des Pazifiks, begeistert.

John Davis segelte in die Arktis und wiederentdeckte Grönland, welches lange aufgrund des Verlustes der nordischen Kolonien in Vergessenheit geraten war. Er schlug sich durchs Eis bis zur Hudson Bay und nahm einfach an, er sei im Pazifik angekommen. Diese Fehleinschätzung  kostete ihn das Leben, da in dem schrecklichen Winter von seiner Crew umgebracht wurde. Vier Mitglieder seiner Crew wurden in späteren Kämpfen mit den Einheimischen getötet. Die Überlebenden schafften es schließlich, unter der Führung von Robert Bylot, nach Hause zu segeln. Dieser wurde begnadigt und segelte später nochmals los und fand heraus, dass die Annahmen seines ehemaligen Kapitäns falsch waren.

Bylot kam 1616 zum vierten Male in die Arktis. Diesmal mit William Baffin, einem talentierten Navigator nach dem die Insel Baffin benannt wurde. Diese beiden stellten einen neuen Rekord bezüglich des am weitesten nördlich erreichten Punktes auf, welcher für zwei weitere Jahrhunderte bestand haben sollte. Sie entdeckten des weiteren drei breite Wasserwege, von denen sie hofften, dass diese Wasserwege in die Passage mündeten. Das Interessen am Finden der Nordwest Passage schwand und immer weniger Expeditionen machten sich auf den Weg.

Eine Neue Suche
Trotz der regelmäßigen Walfangaktivitäten in der Davis Straße, war der Ansturm, die Passage Richtung Orient zu entdecken bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts fast komplett vergessen. Die Engländer hatten die Franzosen geschlagen und Napoleon auf St. Helena verbannt. Dieses ließ die Marine im Hafen liegen und die Offiziere mit dem halbierten Salär sich nach anderen Berufen umzuschauen. John Barrow Jr. ein opportunistischer Bürokrat in der Marine und bekannt für seine Sturköpfigkeit, konnte die Tage, die er als 15-jähriger auf Walfangbooten in Grönland verbrachte nicht vergessen. Mit nicht genutzten Booten im Hafen und dem vom Sieg berauschten England, setzte Barrow  alle Hebel in Bewegung und startete die erneute Suche nach Arktispassage.

Das Marineamt entsandte zwischen 1818 und 1823 mehrere Expeditionen, um die Karten rund um Baffin Island und des Parry Kanals mit Informationen zu füllen. Die meisten Expeditionen segelten von Ost nach West, da die Europäer aus ihren heimischen Häfen starteten. William Edward Parry war der berühmteste Entdecker seiner Zeit und führte eine Vielzahl von Expeditionen an.

Die Expeditionen wurden langsam verfeinert und Überwinterung in der Arktik wurde zum Normalfall. Die Kapitäne organisierten Spiele, Zeitungen und Unterrichtsstunden um die Crew zu beschäftigen und weiterzubilden, wenn sie auf das Tauen des Eises im Frühjahr warteten. Häufig kam es vor, dass nach den langen, dunklen Wintertagen auch die über 24 Stunden scheinende Sommersonne zu schwach war, das Eis der Passage zu schmelzen, und damit die Crew für ein weiteres Jahr dazu zwang vor Ort zu bleiben.

Aber selbst nach drei Jahrhunderten der arktischen Expeditionen waren die englischen Offiziere nicht den Umgang mit den Inuit gewöhnt. Im Gegenteil, sie waren von ihren Bräuchen, wie rohes Fleisch und Walblubber essen, angewiedert. Offiziere und Besatzung waren jedoch nicht den wärmenden Inuitfrauen abgeneigt, die ihren Körper für Werkzeuge und kleinen Schmuckstücken verkauften. Die Engländer ignorierten nicht nur die Ernährung der Inuit, welches Skorbut verhinderte, sonder auch, wie man einen Schlitten mit Schlittenhunden zieht. Sie aßen weiter Zwieback, gepökeltes Schweinefleisch und zogen die Schlitten während der langen Winter lieber selbst durch die eisige Landschaft. Die schlecht vorbereiteten Matrosen mussten sich aber trotzdem auf die Inuit als Jäger und Führer verlassen, ohne ihnen die gebührende Anerkennung zu geben.

Ein spektakuläres Disaster
John Franklin (links), ein britischer Offizier der königlichen Marine, wurde einer der berühmtesten Entdecker der Arktis, jedoch nicht für seinen Erfolg, sonder für seinen Misserfolg. Seine Erste Expedition, eine Überlandexpedition an der arktischen Küste östlich entlang des Coppermine Flusses. Er verließ sich auf indianische und französisch-kanadische Führer, bis diese zu einer großen Belastung wurden und sich die Expedition zu einem wahren Alptraum von Hunger und Erfrierungen entwickelte. Er erlangte Berühmtheit als „der Mann, der seine Schuhe aß“ bekannt.

Die zweite Fluß-Expedition im Jahre 1823 war erfolgreicher, aber Franklins Ruhm sollte noch kommen. Als untersetzter und dicklicher Mann war Franklin nicht der typische Leiter einer Arktisexpedition und die meisten Biographen sind sich einig, dass er ein phantasieloser und humorloser Mann war. Er hatte jedoch erfolgreich in vielen großen Schlachten erfolgreich als Offizier gekämpft und war nun entschlossen noch mehr Ruhm zu erlangen.

Mit 59 Jahren segelte er 1859 nochmals in die Arktis und ließ seine lang trauernde Frau Jane Griffin, die maßgeblich an der späteren Legendenbildung beteiligt sein sollte, in England zurück. Franklin war für zwei Boote, die HMS Erebrus und HMS Terror mit 134 Mann Bestatzung (5 wurden von Grönland aus nach Hause geschickt) verantwortlich. Mit Dampfmaschinen, die die Schiffe auf eine Fahrt mit 4 Knoten bringen konnten und Nahrungsmitteln in Dosen, die eine neue Erfindung darstellten, war die Expedition gut gerüstet. Jedoch diese Dosen sollten Franklins Crew zum Verhängnis werden, da aus der Verlötung Blei in die Nahrung übertrat und die Männer vergiftete.

Die Expedtion wurde zuletzt von Europäern am 26. Juli 1845 gesehen, als sie ein Walfangschiff an einem Eisberg in Lancaster Sound angedockt sah. Von dort an führte Franklin seine Crew in die tiefste Arktis und sie sollten niemals wieder zurückkehren. Nach zwei Jahren ohne Neuigkeiten von ihrem Ehemann, bat Lady Franklin die Marine einen Suchtrupp loszuschicken und die Expedition zu retten. Franklins Berühmtheit und die ausgesetzte Belohnung entfesselte einen regelrechte Flut von Booten, die Richtung Norden segelten. Aber all die Bemühungen blieben erfolglos und noch mehr Männer mussten ihr Leben lassen.

1854 hat der Entdecker John Rae während seinen Beobachtungen der Boothia Halbinsel in der Hudson Bay Beweise für Franklins Schicksal gefunden. Während den kommenden vier Jahrzehnten sollten noch weitere 25 Expeditionen sich auf die Suche machen, und mit kleinen Hinweisen helfen, das Scheitern aufzuklären. Schlussendlich ist allerdings das Scheitern in den 1980ern aufgeklärt worden. Seine Crew erlag der Bleivergiftung. Einige Mitglieder der Expedition waren sogar dem Kannibalismus, aus purer Verzweiflung, verfallen.

Amundsen findet die Passage
Die Briten haben große Teile der Artkis kartographiert und waren sich sicher, dass es eine schiffbare Passage gibt. Selbst nach Franklins Desaster setzten noch einige andere Expeditonen Segel. Entdecker wie der Norweger Fridtjof Nansen oder der Amerikaner Robert Peary setzten sich jedoch das Ziel, den Nordpol zu erreichen und trugen damit dem Wissen  zum Überleben in der Kälte bei. Nansen wandte dieses Wissen der Inuit an, welches die Briten hochnäsig ignoriert hatten. Er lernte, dass es Verschwendung von Energie war, wenn Männer die Schlitten selbst zogen und legte sich einige Gespanne zu. Anstelle von Wolle und harten Lederschuhen war er in Pelz gekleidet. Langsam kam all das Wissen zusammen, die traditionelle Überlebensstrategie der Inuit und die über Jahrhunderte gezeichneten Karten um das zu vollenden, was bis jetzt noch kein Mann getan hatte.

Als Teenager sah Roald Amundsen (oben), wie Nansen aus der Arktis heimkehrte. Da wusste er, dass er ebenfalls losziehen würde, was dann 1903 auch geschah. Obwohl er der erste sein sollte, der den Südpol erreichen und als erster Mann auf beiden Polen stehen würde, machte ihn erst die Reise durch die Nordwestpassage richtig berühmt.

Amundsen setze seine Segel auf dem Schiff namens Gjøa (rechts), mit einer Crew, die aus nur sechs Männern bestand. Er überwinterte zwei Jahre in der Nähe von King William Island in einer kleinen Siedlung, der heutigen Gjoa Haven. Dort lernte er, während er auf das Aufbrechen des Eises wartete, soviel von den Inuit wie er konnte. Seine Geduld zahlte sich aus und am 12. August 1905 tat sich das Eis auf. Er steuerte die Gjøa durch das „verwirrende Chaos“ von Untiefen und Riffen, welche den Weg nach Westen blockierten: „Wir fuhren wie Stümper im Zickzack als ob wir besoffen waren“ sagte er. Am 26. August sichtete seine Crew ein Schiff, welches von Westen her in die Arktis segelte. Damit bewies er, dass die Passage existierte. Es würde jedoch noch ein weiteres Jahr dauern, bis er nach Hause segeln konnte.

Der Traum, dass die Artkis eine Handelsroute zwischen Europa und Asien werden könne, sollte sich nie erfüllen. Die Nordwestpassage ist zu unberechenbar, zu felsig und gefährlich, als dass große Schiffe diese Route hätten nehmen können. Fischereiflotten halten sich am Rande der Arktis auf und Marine- und Küstenwachenschiffe fahren gelegentlich durch die Passage. Sie sollte eine Domäne der Leute bleiben, welche die Arktis ihre Heimat nennen, einige wenige mutige Forscher, die diese rauen Gewässer meistern.

Amundsens Route durch die Nordwest Passage wird heute als klassische Route bezeichnet, via Baffin Bay, Lancaster and Peel Sounds und James Ross, Simpson und Rae Strasse – und dies ist auch der Weg, den die Silent Sound in 2009 nehmen wird.

 
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